• Mario Oberländer

800 Jahre Löbau: Die Kommunale Wasserversorgung im Mittelalter


Es war das Jahr 1221 als der Meissener Bischof Bruno II. die Stadt Löbau das erste mal in einer Urkunde erwähnte. In dem Schriftstück wurde Löbau als „Opidum“ bezeichnet. Das heißt so viel wie befestigter Platz. Es ist also davon auszugehen, dass es sich hierbei um einen Marktplatz mit Ansiedelung und einer wahrscheinlich eher rudimentären Befestigung handelte. In der Zeit nach der ersten Erwähnung stieg die regionale Bedeutung des Oberlausitzer Fleckens stetig an. Im 14. Jahrhundert besaß Löbau die Gerichtsbarkeit für über 36 Ort-schaften im Einzugsgebiet und im Jahr 1346 war Löbau Gründungsmitglied des Sechsstädtebundes. In der Vereinigung der Städte Bautzen, Görlitz, Zittau, Kamenz und Lauban kam Löbau als häufigster Versammlungsort eine hohe Bedeutung zu. Löbau entstand etwa 1000 Jahre nach der Hochzeit des Römischen Reiches, das für seine technologisch anspruchsvollen Wasserver- und Ab­wasser­ent­sor­gungs­sys­teme berühmt war. Wer nun annimmt, die mittelalterlichen Siedlungen besaßen ähnliche Einrichtungen, der irrt sich. Städte wie Löbau entstanden meist an Flüssen, die anfangs die Versorgung mit Frischwasser gewährleisteten. Mit zunehmender Bevölkerungs­zahl und der damit einhergehenden Nutzung der Wasserläufe für den Abtransport von Unrat wurden Brunnen, die das Grundwasser anzapften, immer wichtiger. Bekannte mittelalterliche Brunnen befanden sich zum Beispiel in der Rittergasse oder in der heutigen Inneren Zittauer Straße. Ersterer war 40 Ellen (eine Elle entspricht 56 cm) tief und hatte einen Wasserstand von 7 Ellen. Insgesamt gab es 21 solcher Brunnenbauten, die aber bald die Versorgung der Löbauer nicht mehr sicherstellen konnten. So wurde im Jahr 1430 die erste Trinkwasserleitung in Löbau verlegt. Sie führte vom Oelsaer Teich aus zum Löbauer Markt. Das Wasser des Teiches wurde aufgrund seiner Qualität an der Einspeisestelle „geläutert“, also gereinigt, und floss dann in Holzbütten (siehe Bild) in Richtung Stadt. Erst am Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Holzrohre durch steinerne Leitungen ersetzt. Zu dieser Zeit wurden nördlich der Teiche auf den Wiesen des Wauerschen Gutes auch neue Quellen erschlossen, die nun erstmals Löbau mit Frischwasser aus der Leitung versorgte. In der kommenden Ausgabe wollen wir Ihnen dann zur Geschichte der Abwasseraufbereitung in Löbau berichten.





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